Cameronbridge 1974/2021 Sansibar Colourful Wildlife

Seit langem war es still hier. Heute hatte ich einmal wieder Bock. Vielleicht finde ich ja wieder öfter Zeit, hier ein paar Zeilen zu schreiben. Jedoch wird sich der Umfang etwas reduzieren und die Beiträge an sich werden definitiv etwas kürzer werden. Die aktuelle Zeit ist in puncto Whisky schon abgefahren. Man kommt kaum noch hinterher, die neusten Abfüllungen zu sichten, geschweige denn auch nur ansatzweise einen Überblick zu behalten. Eine Pressemeldung jagt die nächste und nun kurz vor dem anstehenden Weihnachtsgeschäft kommen viele interessante Abfüllungen hinzu. Für mich war Whisky immer etwas Entschleunigendes, etwas, für das man sich Zeit nimmt und den Moment genießt. Das geht leider in der aktuellen Zeit, in der gefühlt jeder nur noch den krassesten Abfüllungen hinterher jagt, ein wenig verloren. Ich nehme mich das überhaupt nicht heraus. Die Jagd macht ja auch Spaß. Man findet in einem kleinen Laden, in einem unbekannten Onlineshop oder in Oppas Keller Schätze und erfreut sich daran, sie gefunden zu haben. Na klar, das macht Spaß, aber ab und an habe ich inzwischen überhaupt keinen Bock mehr darauf und so gibt es auch Zeiten, in denen ich einfach auch hier nicht aktiv bin. Aktuell habe ich aber einige interessante Samples und eigene Flaschen geöffnet, die ich gern mit Euch teilen mag (nein, keine Flaschenteilung ;)). Ich dachte, ich beginne den Abend mit einem Sample von einem gesetzten Grain mit geringer Alkoholstärke und probiere danach vielleicht ein oder zwei weiter Samples für diesen Beitrag. Nachdem ich in mein Glencairn roch, habe ich den Plan über Bord geworfen und werde mich heute Abend mit genau den 2cl in meinem Glas beschäftigen. Es kommt selten vor, dass ich das Glas nochmals wechsele, aber heute mit diesem 46 Jahre alten Whisky musste ich mir doch eingestehen, dass das Glencairn vielleicht nicht die beste Wahl ist. Zack, einmal umgefüllt ins 1920 Blender’s Glas und die Nase gibt mir recht.

Photo: deinwhisky.de

Nase: Was für ein Aroma. Zu beginn im Glencairn noch recht verhalten, aber bereits toll fruchtbetont, entfaltet sich im 1920 Blender’s Glas nun ein wundervolles Aroma von hellen, tropischen und Südfrüchten aller Art. Wer den Redbreast 21 zu schätzen weiß, ist hier an der absolut richtigen Adresse, denn die Richtung ist eine ähnliche nur mit weniger Würze. Spritzig frische Litschi, Sternfrucht, Ananas, Honigmelone, reife Zitrone tummeln sich gemeinsam mit einem Hauch Kokos als Nebendarsteller. Auch Vanille- und Holznoten sind mit von der Partie, aber sind wundervoll verwoben. Nach 15 Minuten im Glas kommen weiter helle und dunklere Früchte wie Marillen und Himbeeren zum Vorschein und ein paar Bitternoten tun sich auf.

Geschmack: Selten hat man trotz gerade einmal 40,3% Vol. solch ein volles und intensives Mundgefühl. Die Nase wird interessanter Weise fast genau wiedergegeben. Da sind helle Früchte gemeinsam mit typischen Grainnoten und sehr zaghaftem Holz, was eigentlich verwundert nach 46 Jahren im Fass. Zudem kommt Vanille, Kokos und etwas Milchschokolade auf der Zunge zur Geltung. Ein wenig denke ich an Pfefferminztee und etwas Waldhonig dazu. Sehr facettenreich.

Abgang: Langanhaltend fruchtig, samtig mit einer Hand voll Sägespäne und einem Hauch Wacholder.

Fazit: Ein toller Grain mit einem wirklich hohen Alter. Wer hellfruchtige Whiskys mag, ist hier genau richtig. Der Cameronbridge überzeugt mit Eleganz und Facettenreichtum auf ganzer Linie. Einziges Manko ist, dass man ihn mit relativ großen Schlücken genießen sollte, da er dann sein ganzes Bouquet voll ausspielen kann. Auch im Glas sollte dieser alte Grain Platz haben. Daher war es für mich persönlich eine gute Wahl, hier das 1920 Blender’s Glas zu verwenden. Ich denke in Zukunft werden uns noch mehr tolle Grains erreichen, da die Genießer inzwischen entdeckt haben, was für Qualitäten auch in dem lange verrufenen Spirit stecken können.

Der Cameronbridge 1974 ist in der Colourful Wildlife Serie von Sansibar als Joint Bottling für Dein Whisky erschienen und noch immer im Shop von deinwhisky.de erhältlich.

Vielen Dank an Sebastian von deinwhisky.de für das kostenfreie Sample!

Sláinte

Mr Barleycorn

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