GlenGoyne 24 „Late Nights Summer“

Wer sich ein wenig mit Whisky beschäftigt, stößt mit Sicherheit irgendwann auf die Abfüllungen des Brühler Whiskyhauses. Unter dem Label „A Dream of Scotland“ erscheinen regelmäßig begehrte Whiskys, die vor allem durch ihre Qualität und ihren Preis auffallen. Aber nicht nur das. Man sagt ja in der Regel, dass nur die inneren Werte eines Whisky zählen. Bei den Abfüllungen von Marco Bonn und seinem Team jedoch ist das anders. Die Labels sind zumindest für mich nämlich ein weiteres Kaufargument. Die Gestaltung wird vom Chef selbst übernommen, der sich anscheinend nicht nur mit Whisky sondern auch mit Photoshop und Illustrator ganz gut auskennt. Der Stil schwebt irgendwo zwischen Comic und Tattoo-Art, was in der Whiskywelt eine absolute Ausnahme darstellt. Flaschen wie der Old Man of Islay haben bereits einen gewissen Kultstatus erreicht nicht zuletzt wegen ihres Designs. Nun ist es so, dass ich nicht der einzige Genießer bin, den das alles anspricht. Auch viele andere Genießer stehen auf die Abfüllungen und so ist es nicht verwunderlich, dass diese regelmäßig nach nur wenigen Stunden oder gar Minuten ausverkauft sind. Beim Glengoyne, der heute vor mir steht, war das auch der Fall. 102 Flaschen ergab der Faßanteil, der für diese Abfüllung zur Verfügung stand. Zugegebenermaßen nicht viel und so war auch hier nach nicht einmal einer Stunde Schluss. Ich konnte mir glücklicher Weise eine Flasche unter den Nagel reißen und kann so heute meine Eindrücke für Euch hier festhalten.

Aus der Brennerei Glengoyne kommt dieser 24-Jährige also. Das ist recht selten, da a) unabhängig abgefüllt und b) mit ordentlichem Alter. Die Flaschen wurden auf 48,5% Vol. Trinkstärke herunter verdünnt, nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt. Die Reifung erfolgte in einem Sherry Cask. Ob first- oder refill-Cask ist nicht bekannt, auch die Farbe läßt Rückschlüsse auf beides zu.

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Nase:
Tolle erste Nase mit Vanillekipferl, Traubensaft, Vollmilchschokolade, Marzipan, Rohrzucker, Saftorangen, überreifer Apfel, Pfirsich, Minze, Zimt. Trotz der eher winterlichen Aromen wirkt der Malt nicht dunkel sondern angenehm frisch. Insgesamt schwingt der Glengoyne auch nicht die Hardcore Sherrykeule sondern setzt auf Finesse, was mir sehr gut gefällt. War wohl ein refill-Fass.

Geschmack: Schön süß und auf der Zunge unfassbar voll und fast likörartig. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und wirkt nicht wie 48,5% Vol.. Die Nase wird sehr schön widergespiegelt. Der Pfirsich tritt etwas in den Vordergrund, diesmal in Form von süßem Pfirsicheistee. Die Tannine runden das ganze ab und geben auf der Zunge eine leicht herbe Note, die die Süße ergänzt. Dazu süßes Gebäck, Karamel und eine leichte, parfümierte Säure. Seeeehr süffig.

Abgang: Medium. Marzipan, Grapefruit, Schokolade mit etwas Minze.

Fazit: Der Name ist in diesem Fall nicht ganz Program. Klar, Glengoyne wird schon drin sein, aber mit Late Nights Summer hat der Malt nicht viel zu tun. Trotzdem finde ich diesen Malt sehr gelungen, vor allem aber für die kühleren Monate. Der Herbst steht gerade vor der Tür und ich freue mich, die Flasche genau jetzt geöffnet zu haben. Einen Nachteil hat die Abfüllung leider: mit 700ml ist die Flasche eindeutig zu klein.

Sláinte

Mr Barleycorn

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