Glenburgie 1997/2018 Gordon & MacPhail

Heute habe ich in meiner Samplekiste gestöbert und einen interessanten Malt herausgezogen, den ich so bisher nicht kannte – einen Glenburgie. Ich glaube, für mich ist das eine Prämiere, da ich bisher noch nichts aus der Brennerei im Glas hatte. Bei etwas genauerem Hinsehen jedoch, stimmt das nicht so ganz. Glenburgie produziert nämlich zum Großteil für den Ballentine’s Blend und den hatte ich auf jeden fall bereits das ein oder andere Mal im Glas. Nach einer sehr wechselhaften Geschichte im Wahrsten Sinne des Wortes, gehört die Brennerei in der Speyside heute zum französischen Konzern Pernod Ricard. Eine Brennreiabfüllung von Glenburgie wird man vergebens suchen. Stattdessen war lange Zeit Gordon & MacPhail mit seiner wiederkehrenden 10-jährigen Abfüllung quasi der Standardabfüller. Seit 2017 gibt es mit der Ballentines Series No. 1 auch eine Single Malt Abfüllung aus dem eigenen Bestand von Pernod Ricard, jedoch weiterhin unter dem Ballentines Label.

img_20190731_2203365554042080867986613.jpgGordon & MacPhail bringt als unabhängiger Abfüller natürlich auch immer mal wieder das ein oder andere Einzelfass der Brennerei auf den Markt. Ab und an werden aber auch Batches einzelner Jahrgänge abgefüllt. Aus einem davon ist eben der Whisky, der heute vor mir Steht. Nach 20 Jahren Reifung in 1st fill Sherry Butts wurde das Batch 18/095 im September 2018 auf 596 Flaschen aufgeteilt. Wie immer bei G&M wurde nicht gefärbt und bei fassstarken 59,9% Vol. auch nicht kühlgefiltert.

Nase: Die Nase gibt sich gleich zu beginn sehr voll und voluminös. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Die knapp 60% Vol. merkt man fast nicht in der Nase. Aus dem Glas dringen vordergründig vollreife helle Früchte. Vielleicht sogar etwas überreife Birne über der gerade eine ebenfalls reife Zitrone ausgedrückt wurde. Dazu intensive Süße von Rosinen, die dann die dunkle Seite des Malts hervorheben. Dazu denke ich an buttrigen Kuchenteig. Insgesamt solide, aber keine Komplexitätsbombe. Wasser hilft dem Malt, sich zu öffnen, die Komplexität deutlich zu erhöhen. Ich finde nun reife Äpfel, vielleicht sogar Apfelstrudel. Dunkle Schokolade macht sich breit.

Geschmack: Auf der Zunge entfaltet der Malt seine Volle kraft und schiebt mit mächtig Dampf voran. Die Aromen verstecken sich jedoch hinter dem Starken Alkoholgehalt, sodass den Malt erst einmal verdünne. Mit Wasser sehr gut. Süß und voll auf der Zunge. Eine angenehme Öligkeit macht sich breit. Ich denke Gebäck, Puderzucker, wieder Apfelstrudel mit einer ordentlichen Hand voll Rosinen darin, ein paar bittere-würzige Noten fügen sich toll in die Süße ein. Die Säure der Nase finde ich hier kaum noch wieder.

Abgang: Medium und intensiv wärmend, Honigsüße, dunkle Schokolade und Rosinen.

Fazit: Dieser Malt profitiert enorm von der Zugabe von Wasser. Währen die Nase ohne Wasser easy zu handeln ist, geht im Mund ohne Wasser nix. Dabei lässt er einem viel Raum, um zu experimentieren, da durch die 59,9% Vol. einiges an Verdünnungsreserve da ist. Ich habe aus 3cl ca. 1,5 Teelöffel Wasser hinzugefügt. Interessant ist, dass die Nase eine an Zitrone erinnernde Säure birgt, die im Mund scheinbar verschwunden ist. Insgesamt ein Malt, der erkundet werden will, mit dem man etwas Zeit verbringen sollte.  Dann aber wird man durchaus belohnt.

Ich danke Kirsch Whisky für das kostenfreie Sample.

Slainte 

Mr Barleycorn

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