Bowmore 15

Single Casks, Special Releases und oller Whisky sind zwar super interessant, aber gerade die Standards sind häufig die Flaschen, die Einsteiger zum Thema Whisky bringen. Heute habe ich mir wieder einmal so eine Flasche vorgenommen. Der Bowmore 15, damals noch mit dem Beinamen „Darkest“, war für mich eine der ersten eigenen Flaschen und hielt nicht lange durch. Auch heute habe ich diese Flasche, allerdings in der aktuellen Version, in meiner Bar und diese möchte ich Euch heute vorstellen.

Im Beitrag zum Amazon-Bowmore und dessen aufgepumpten Bruder aus der Vintners-Trilogy habe ich darau verwiesen, dass ich die Brennerei Bowmore nochmals in einem anderen Beitrag vorstellen werde. Tadaa…hier ist er.

Bowmore ist eine der ältesten Brennereien in ganz Schottland und die älteste legale Brennerei auf der Insel Islay. Bereits 1779 hat der Kaufmann David Simpson die Brennerei offiziell gegründet. Es gibt allerdings berichte, nach denen bereits zehn Jahre zuvor Whisky an der gleichen Stelle gebrannt wurde. Simpson hat die umliegenden Ländereien bereits 1766 erworben, Zeit zum Brennen war also genügen vorhanden. 1837 kauften die Zwillingsbrüder William und James Mutter aus Glasgow die Bowmore Destillerie von der Familie Simpson. Genau 50 Jahre später, im Jahr 1887 waren die Mutter-Brüder aufgrund einer Wirtschaftskrise gezwungen, die Brennerei an John Bell Sherriff aus Campbeltown zu verkaufen. Nach Umbauarbeiten wurde Bowmore 1892 abermals verkauft und befand sich ab in Besitz Englischer Kaufleute, die das Unternehmen als Bowmore Distillery Company Ltd. führten. Im Jahr 1925 erwarb John Bell Sherriff die Brennerei ein zweites Mal und benannte sie in Sherriff’s Bowmore Distillery um. Aber auch dieses Mal konnte Sherriff die Brennerei nicht lange halten. Nach vier Jahren wurde Bowmore dann Teil der DCL. Nach zwei weiteren Eigentümern mit William Grigor & Son (1950) und Stanley P. Morrison (1963), kommt Bowmore in die Hand des Japanischen Konzerns Suntory. Unter dessen Dach befindet sich die Brennerei noch heute.
Bowmore ist bekannt für seine rauchigen Whiskys, die jedoch nicht so stark rauchig sind wie die Vertreter der Südküste der Insel Islay. Damit bieten sie einen guten Einstieg in die Welt der rauchigen Whiskys. Die Standard Range bietet diverse Abfüllungen zwischen NAS und 25 Jahren, zum Teil ergänzt durch Travel Retail und andere Sonderabfüllungen.

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In meinem Glas befindet sich heute der 15-Jährige aus dem Standardsortiment von Bowmore. Der Malt durfte 12 Jahre in amerikanischen Eichenfässern reifen und erhielt die letzten drei Jahre ein Finish in Oloroso Sherryfässern. Von 1999 bis 2017 trug diese Abfüllung den Namen „Darkest“. Da dieser Bowmore allerdings gefärbt ist, häuften sich die kritische Stimmen und Bowmore ließ den Beinamen ab 2017 weg. Mit 43% Vol. kam der Malt in die Flasche und ist daher mit großer Sicherheit auch kühlgefiltert.

Nase: Weicher Rauch steigt aus dem Glas in meine Nase, dazu eine leicht alkoholische Note, trotz der „nur“ 43% Vol. . Dazu gesellen sich reife Früchte in Richtung Orangen und Waldbeeren, aber auch schöne erdige Noten. Abgerundet wird das ganze durch ein Stück Pocketcoffee.

Geschmack: Auf der Zunge zeigt sich der Bowmore mit eine schönen Mischung aus Rauch und Honigsüße. Für 43% Vol. erstaunlich kräftig und gleichzeitig gut eingebundener Alkohol. Die Frucht kommt nach und nach immer mehr durch und geht in Richtung Johannisbeergelee. Insgesamt schön rund und einfach lecker.

Abgang: Medium mit Bitterschokolade, zartem Rauch und bleibender Honigsüße.

Fazit: Das ist ein Malt, der immer geht. Sicher haben wir es hier nicht mit einer Komplexitätsbombe zu tun, aber dafür mit einem Malt, bei dem einfach alles zusammenpasst. Nichts wirkt überladen und jede einzelne Geschmackskomponente hat Platz. Von mir gibt es auf jeden Fall zwei Daumen nach oben, vor allem, wenn man bedenkt, dass man diesen 15-Jährigen (!) teilweise für unter 40 Euro erhält.

Slainte

Mr Barleycorn

7 Kommentare zu „Bowmore 15

  1. Sehr schöne Rezension! Ich hatte den Bowmore 15 Jahre auch letztens gerade erst wieder im Glas und kann nur bestätigen, dass es sich um einen wirklich gelungenen Feierabend-Whisky handelt. Ich finde vor allem die Balance zwischen dem Sherry und dem feinen, nicht zu starken Rauch gelungen. Was sich auch lohnt ist der Bowmore 18 Jahre, der noch mal komplexer ist.
    Viele Grüße
    Lukas vom Malt Whisky Magazin

    Gefällt 1 Person

      1. Es ist aber wohl nicht ganz eindeutig belegt, dass bei Bowmore vor 1816 wirklich Whisky gebrannt wurde. Die Quellen sind da wohl nicht ganz eindeutig, vergleiche auch: https://www.islay.blog/article.php/oldest_whisky_distillery_on_islay
        Wir hatten das Thema bei uns auch schon einmal und uns dann letztlich entschieden, es etwas vorsichtiger auszudrücken und einfach zu sagen, dass Bowmore eine der ältesten Destillerien auf Islay ist: https://www.maltwhisky.de/bowmore/
        Interessanterweise scheint es kein ganz eindeutiges Schriftstück zu geben, welches die Aussage belegt. Sonst hätte Bowmore es sicher auf seiner Webseite eingebunden. Damals wurde eben auch nicht alles so ausführlich festgehalten und manches ist heute deshalb Interpretationssache.
        Der Unterschied zwischen 1779 und 1815/1816 ist deshalb so entscheidend, weil in letzteren Jahren auch Laphroaig, Ardbeg und Lagavulin gegründet wurden – wenn es stimmt wäre Bowmore sehr früh dran gewesen (und wenn nicht, dann wurden eben alle gleichzeitig gegründet).

        Viele Grüße
        Lukas

        Gefällt 1 Person

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