DIAGEO Special Releases im Alten Papierlager

Es ist Mittwoch Abend und ich biege um die Ecke vom Leipziger Johannisplatz in die Talstraße ein. Nach ein paar Schritten stehe ich vor dem markanten Portal, das ich bisher nur als Logo kannte. Jörg Duschanek betreibt hinter diesem Portal das Alte Papierlager. Wer nun denkt, dass dort Unmengen an Papier zu finden sei, der irrt sich gewaltig. Viel mehr findet man an dieser Stelle eine mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Location, in der regelmäßig Wein- und Spirituosentastings stattfinden. Auch an diesem Abend sollte eines dieser Tastings im Alten Papierlager stattfinden. Jörg hat viele Jahr für Diageo gearbeitet und ist daher noch immer bestens vernetzt. So konnte er für diesen Abend nicht nur eine tolle Auswahl an zum Teil inzwischen raren Whiskys bereitstellen, sondern auch Thomas Plaue nach Leipzig einladen, um durch den Abend zu führen. Wer bereits den ein oder anderen Whisky getrunken hat, kennt Thomas sicher. Allen anderen sei er als einer der Keeper of the Quaich und  „Master of Whisky“ im Haus Diageo vorgestellt. Wer sonst würde besser durch die Diageo Special Releases 2018 führen können als er?

DSC_7637Ich kenne es von anderen Tastings, dass sich die Whiskys langsam steigern. In der Regel wird „sanft“ losgelegt und mit Islay aufgehört. Das war auch hier der Fall, mit dem einen Unterschied, dass nämlich alle der ausgewählten Abfüllungen in Fassstärke in die Flaschen kamen. Ganz so sanft war der Einstieg dann also doch nicht. Trotzdem machte sich der erste Malt im Glas gleich recht gut in diesem. Wir starteten in der Speyside mit dem Inchgower 27 aus refill American Oak Hogsheads. Gleich mit dem ersten Dram 55,3% im Glas zu haben kann schon recht fordernd sein, aber irgendwie macht das auch Spaß. Es bleibt Platz für das Spiel mit dem Wasser, was ich als sehr angenehm empfinde. Der Inchgower kam sehr untypisch für einen Speysider daher, was sicher zum großen Teil an der Fassart liegt. Aber auch die geografische Lage der Brennerei im äußeren Norden der Speyside in Küstennähe macht sich bemerkbar. Direkt im Anschluss an den Inchgower gab es eine Kleinigkeit aus der Küche. Jörg hat sich nicht lumpen lassen und ein thematisch Passendes Menü auf den Tisch gezaubert, das Schottland in verschiedenen Ausprägungen in sich trug. Da war das Schottische Hochlandrind, die Jus mit Talisker Whisky und der Schafskäse auf der Süßkartoffel. Sehr lecker und genau richtig vor den fünf weiteren Drams des Abends. Nachdem alle gesättigt waren, fuhr Thomas, der inzwischen spontane Unterstützung von Steven Lasner (BA Johnnie Walker) bekommen hatte, mit dem Oban 21 aus refill European Oak Butts fort. Der Oban war für meinen Geschmack unwahrscheinlich süß und passte als erstes Dessert nach dem essen genau in die Reihenfolge. Bisher kannte ich aus der Brennerei an der Westküste Schottlands nur den 14-Jährigen, daher war es interessant für mich, eine ältere Abfüllung im Glas zu haben. Der Abend schritt voran, interessante Gespräche zwischen den Gästen kamen auf und die Stimmung im Alten Papierlager war bestens. Zeit für Dram Nummer Drei. Mit dem Pittyvaich 28 hatte ich meinen erste Malt aus einer bereits geschlossenen Brennerei im Glas. Die Gäste waren sich einig, dass dieser Malt schon zu diesem Zeitpunkt ein weiteres Highlight des Abends war. Komplex mit vielen Noten Vanille, Gebäck und einer zarten Fruchtigkeit, aber auch leicht mineralisch kam der Pittyvaich daher. Beeindruckend war der kaum spürbare Alkohol trotz der 52,1% Vol.. Richtig leckeres Teil, das mit jeder Minute mehr preisgegeben hat.  Zur Halbzeitpause (nein, nicht beim Fußball) gab es das als kleinen Einschub noch ein Dessert, das neben Schokolade natürlich auch Whisky (Cardhu) zu seinen Zutaten zählte. Das Interessante an diesem Dessert war das sich wandelnde Mundgefühl. Ich meine zu Beginn den Kakao und seine Konsistenz auf der Zunge gehabt zu haben. Durch die Wärme des Mundes schmolz das Dessert dann, ohne zuvor gefroren gewesen zu sein. DSC_7620Doch zurück zum Whisky. Die Nummer vier im Bunde bildetet der Cladach. Bereits 2017 verortete Diageo mit dem Collectivum XXVIII erstmals einen Blended Malt Scotch Whisky unter den Special Releases. Der Cladach aus 2018  besteht aus den sechs Küstenmalts Clynelish, Inchgower, Oban, Talisker, Caol Ila und Lagavulin. Bereits der gälische Name „Cladach“ weist auf die Herkunft der Malts hin. Übersetzt man „Cladach“ ins Deutsche erhält man so etwas wie „die Küstenlinie“. Und maritim war dieser Blendet Malt definitiv. Da war Salz, erstmals an diesem Abend kräftiger Rauch und wieder eine recht kräftige Süße. Etwas mehr Power hätte ich mir für den Cladach gewünscht. Was aber Spaß gemacht hat, ist die einzelnen Malts im Blendet Malt zu suchen, denn man hat sie tatsächlich gefunden. Der Abgang, hatte deutliche Talisker-Würze und Pfeffer, das Mundgefühl war Clynelish-typisch wachsig und der Rauch kam und auch die Süße erinnerten mich stark an Caol Ila. Wo wir gerade bei Talisker waren, machen wir gleich weiter mit der nächsten Abfüllung des Abends – dem Talisker 8. Das war der einzige Malt, den ich schon kannte, da ich selbst eine Flasche in der Bar habe und darüber sehr glücklich bin. Nicht nur ich, sondern auch Thomas Plaue und der Großteil der Gäste fanden den Talisker absolut gelungen. Werder die Farbe noch die Nase oder der Geschmack lassen meiner Meinung nach auf einen „nur“ acht Jahre alten Malt schließen. Ja, der Rauch ist intensiver als beim 10er oder dem Port Ruighe, aber die süß-fruchtigen und würzigen Aromen fügen sich richtig gut zusammen und machen den Malt älter als er ist. Reifen durfte der Talisker die gesamten acht Jahre in 1st Fill Ex-Bourbon Hogsheads, die extra dunkel ausgebrannt wurden. Den krönenden Abschluss machte dann der Lagavulin 12, der bereits in der 18. Edition teil der Special Releases ist. Thomas hatte einen großartigen Vergleich für den Lagavulin 16 und den Lagavulin 12 vor uns. Während der Lagavulin 16 einen mit jedem Schluck in der Arm nimmt und sanft über den Kopf streicht, ist der Lagavulin 12 der kleine freche Bruder vom 16er. Der nimmt einen nicht in den Arm, sondern in den Schwitzkasten und haut einem mit jedem Schluck volles Ballett eine rein. Aber trotzdem schreit man danach „ICH WILL MEHR“. Und das trifft es eigentlich perfekt, sodass ich zu diesem Malt eigentlich nichts weiter schreiben muss 😉

IMG_0838Im Anschluss konnten wir noch den Showroom des Alten Papierlagers besuchen in dem neben Ausgewählten Weinen, Gins und Rums natürlich auch Whiskys zu finden waren. So viele Flaschen sind es eigentlich gar nicht, die da stehen. Aber ein Regal voller Port Ellens, Broras und Rosebanks habe ich auch noch nie gesehen, sodass mir leicht die Kinnlade herunter klappte. Bevor es nach Hause ging gab es noch das ein oder andere Gespräch, guten Espresso und das Gefühl, einen richtig tollen Abend gehabt zu haben.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Jörg für die herzliche Einladung und tolle Gastfreundschaft bedanken. Außerdem bedanke ich mich bei Jürgen Ulms, der den Abend mit seiner Kamera begleitet hat und dem ich die Bilder zu diesem Beitrag verdanke.

Sláinte

Mr Barleycorn

 

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