Talisker 30

Auf das heutige Review habe ich mich schon lange gefreut, denn einen 30-Jährigen Malt bekommt man nicht jeden Tag ins Glas. Ich bin gespannt, was die lange Zeit im Fass mit dem sonst so kraftvollen und rauchigen Talisker so gemacht hat. Ab und an habe ich natürlich schon einen älteren Whisky im Glas gehabt. Was mir dabei immer sehr gut gefallen hat, war der Einfluss des Holzes und die Aromen von Mirabellen, die nach längerer Reifezeit für mich immer zu finden waren. Vor allem die rauchigen Whiskys entwickeln mit zunehmendem Alter eine tolle Komplexität. Insgesamt sind lange gereifte Abfüllungen eher gesetzt, da das Fass durch die subtraktive Reifung bestimmte Aromen abbaut. Auch der Torfrauch wird mit der Zeit tiefer, schwerer und weniger intensiv. Natürlich gehen, zum Teil abhängig von der Vorbelegung, auch Aromen vom Fass in den Whisky über. Dieser Vorgang nennt sich additive Reifung, doch das nur am Rande. Einen absolut empfehlenswerten Beitrag dazu findet ihr auf Eye for Spirits, dem Blog von Philip Reim.

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Die meisten von Euch werden sicher bereits den ein oder anderen Talisker im Glas gehabt haben. Die Malts der Brennerei von der wunderschönen Isle of Skye sind bekannt für den so genannten „Chili-Catch“. Damit ist der Abgang gemeint, der nicht selten an Chillies oder Pfeffer erinnert. Standardmäßig füllt Talisker mit 45,8% Vol. ab und reift hauptsächlich in exBourbon Fässern. Der 10-Jährige ist einer meiner liebsten Standards, der eigentlich immer geht. Auch den Port Ruighe mit Portwein-Finish habe ich schätzen gelernt. Mit dem Talisker 30 haben wir es neben dem 35-Jährigen und dem kürzlich erschienenen 40-Jährigen mit einer den ältesten Abfüllungen zu tun, die Talisker zu bieten hat.

Für den Talisker 30 aus dem Jahr 2017 wurden sowohl exSherry als auch exBourbon Fässer verwendet. Heraus kamen 9078 Flaschen, die mit den für Talisker typischen 45,8% Vol. Alkohol abgefüllt wurden. Ich habe keine Ahnung warum, aber auf der Flasche steht, dass Zuckercouleur hinzugefügt wurde. Liegt wahrscheinlich daran, dass Großkonzerne wie Diageo auf gleichbleibende Farbnuancen besonderen Wert legen. Ob der Malt kühlgefiltert ist oder nicht, steht nicht auf der Flasche, daher gehe ich davon aus, dass kühlgefiltert wurde.

Nase: Zarter Rauch gefolgt von einem Korb heller Früchte. Da sind helle Weintrauben, Aprikosen, Mango und Datteln. Mit der Zeit kommen Heidekräuter dazu, außerdem Honig, schwarzer Pfeffer, eine maritime Note und eine leichte alkoholische Frische. Nach dem ersten Schluck entdecke ich auch dunklere Nuancen wie Schokolade, Kaffee und Gewürze (Nelke, Muskat). Je länger der Malt steht und Zeit bekommt, sich zu entfalten, desto süßer wird die Nase und auch die Kräuter werden intensiver.

Geschmack: Sehr ölig und voluminös mit gelben Gummitierchen, schwarzem Pfeffer und jeder Menge Frucht. Nicht so süß, wie die Nase vermuten lässt. Wieder kristallisieren sich Aprikose, Mango und auch etwas Ananas heraus. Deutlich ist der Einfluss des Holzes wahrnehmbar. Da sind wieder Gewürze, Vollmilchschokolade und eine leichte Bitterkeit. Lässt man dem Tali etwas Zeit im Mund, zeigt er auch seine typische Schärfe – Chili. Die Aromen sind toll von einer deutlich wahrnehmbaren aber eleganten Rauchnote umgeben. Insgesamt recht schwer aufzuschlüsseln, da die Aromen miteinander verschmelzen.

Abgang: Lang mit ordentlich Holz, Pfeffer, Marillenmarmelade, kandiertem Ingwer, Honig und leichtem Rauch.

Fazit: Das war ja mal ein Selbstläufer. Toll komplex und gesetzt, aber trotzdem an keiner Stelle langweilig. Das spürbare Alter (Tiefe, Süße, Holzeinfluss) hat mit dem immer noch vorhandenen Rauch und der für Talisker typischen Schärfe zwei Gegenspieler, die ihren Job auch nach langer Zeit noch toll machen. So steht hier vor mir ein Malt, der alt und jung vereint und seine Wurzeln nicht versteckt. Von den 9078 Flaschen scheint es noch einige zu geben. Kein wunder bei einem Preis jenseits der 300€. Aber 30 Jahre sind auch ein ordentliches Alter und solch einen Malt kauft man auch nicht jeden Tag.

Sláinte

Mr Barleycorn

Ein Kommentar zu „Talisker 30

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