Bruichladdich 13 Jahre Sherry Hogshead (The Islay Trail)

IMG_20180303_154324Heute bespreche ich eine Abfüllung, die mir durch Zufall im Tabak-Kontor Leipzig aufgrund ihrer Farbe und Trübheit ins Auge fiel. Das untenstehende Bild sagt glaube ich mehr als tausend Worte. Im Tabak-Kontor findet man eine Vielzahl an unabhängig abgefüllten Whiskys, was die Besuche dort immer recht schwierig macht, denn irgendeine interessante Abfüllung ist immer dabei. Für die, die mal in Leipzig zu Besuch sind – ein Besuch lohnt sich!

Kommen wir zu Bruichladdich. Gegründet wurde die Brennerei von drei Brüdern der Familie Harvey im Jahr 1881. Die Harveys waren eine Familie, die schon lange im Whisky-Business tätig waren. Damit waren zur damaligen Zeit ausreichend Geld, Know-How und Unternehmergeist gegeben. Ziel der Brüder war es, einen extrem reinen Spirit zu Destillieren und so kam es, dass 6 Meter hohe Stills für die Brennerei Bruichladdich gebaut wurden. Die Destillationsanlagen bestachen durch ihre Einfachheit und dadurch, dass alle Bauteile aufeinander abgestimmt waren – Ende des 19. Jahrhunderts eine echte Neuerung, die bald Nachahmer fand. Auch Bruichladdich wurde von diversen Schließungen und Eigentümerwechseln, die sich durch das gesamte 20. Jahrhundert zogen, nicht verschont. Als 1993 Whyte & Mackay die Brennerei übernahmen, sollte es das für Bruichladdich endgültig gewesen sein. Im Januar 1995 wurden die Tore geschlossen. Zum Glück taten sich 1996 Mark Reynier, Simon Coughlin und Gordon Wright zusammen und gründeten Murray McDavid. Der unabhängige Abfüller kaufte im Jahr 2000 die Bruichladdich Brennerei für 6,5 Millionen Pfund und fuhr die Produktion nicht einmal ein Jahr später wieder hoch. Mit Jim McEwan als Produktionsleiter konnte ein Mann mit Jahrelanger Erfahrung gewonnen werden, da er bereits für Bowmore als Brennmeister tätig war. Um Bruichladdich von Beginn an unter Hochtouren produzieren zu lassen, wurde der Whisky von nun an in Jährlichen „Kollektionen“ gehausgebracht. Eine Sonderedition jagte die nächst und das kam bei den Konsumenten offenbar gut an und kommt es auch heute noch. 2012 wurde die Brennerei dann gewinnbringend an Rémy Cointreau verkauft und produziert bis heute tolle Whiskys unter dem Dach der Franzosen.

Kommen wir noch einmal zu den Besonderheiten der Brennerei. Vor allem der Einsatz qualitativ hochwertiger Fässer mit den unterschiedlichsten Vorbelegungen zahlte sich über die Jahre im Endprodukt aus. Weinfässer aus allen Ecken Europas kamen und kommen zum Einsatz. Ein weiterer Ansatz, den sich Bruichladdich auf die Fahnen schreibt, ist „Terroir Matters“. Ursprünglich aus der Weinherstellung bekannt, verkörpert der Begriff Terroir alle Einflüsse auf den Whisky, die durch den Ort der Herstellung gegeben sind. Dazu zählt das Klima und Mikroklima der Insel Islay, der Boden auf dem die Gerste wächst und natürlich auch das Wasser. Bruichladdich hat es geschafft, lokale Bauern zu gewinnen, die nun wieder alte Gerstenarten kultivieren, die dann für die Whiskyproduktion genutzt werden. Ein toller Ansatz, wie ich finde. Repräsentieren doch Spirituosen immer den Herkunftsort und das, was an diesem spezifischen Ort wächst. In den Alpen und deren Vorland gibt es Obstler, da dort üppige Obstbäume gedeihen. In der Normandie wachsen vor allem Apfelbäume, daher wird dort Calvados gebrannt, in Südeuropa sind Grappa und Weinbrand vorherrschend und im Osten brennt man aus Kartoffeln und Getreide Kornbrände und Wodka. Und auf der Insel Islay wächst Gerste aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit besonders gut, also brennt man hier auch einen Getreidebrand, der anschließend in Eichenfässern lagert.

Eine weitere Besonderheit ist, dass in der Bruichladdich Destillerie drei verschiedene Whiskys produziert werden. Bruichladdich selbst repräsentiert den ungetorften Stil der Brennerei. Port Charlotte nennt sich der Whisky, der stark torfig daher kommt. Und dann gibt es da noch Octomore, den am stärksten getorften Whisky der Welt. Derzeit besetzt der Octomore Masterclass Edition 8.3 mit 309 ppm. Phenolgehalt die obere Spitze der Torfskala. Alle Stile gibt es sowohl aus schottischer Gerste und aus Gerste von der Insel Islay gebrannt. Da bei Bruichladdich wirklich großer wert auf Transparenz gelegt wird, lässt sich bei den Islay Barley Editionen sogar das Feld und der Bauer bestimmen, auf dem die Gerste für den jeweiligen Whisky angebaut wurde. Auch in puncto Fasszusammensetzung der Abfüllungen gibt Bruichladdich genaue Auskunft.

IMG_20180303_154347Die Flasche vor mir gehört zur Islay Trail Serie des unabhängigen Abfüllers The Whisky Trail (Alba Import) und ist damit keine Originalabfüllung der Brennerei. Ich weiß bereits, dass der Whisky als Prototyp für einen schwefelhaltigen Whisky bekannt ist. Da ich eher unempfindlich gegenüber dieser Fehlnote bin, ist es für mich sehr interessant, einmal die volle Wucht zu schmecken. Der Whisky hat wie gesagt eine abgefahrene Farbe und ist absolut trüb. Abgefüllt wurde mit 46% Vol. ohne Farbe und ohne Kühlfilterung. Die 13 Jahre Reifung verbrachte der Malt aus der Bruichladdich Destillerie in einem Sherry Hogshead.

Nase: Maritim-salzige Noten gleich zu Beginn. Dann ganz deutlich vergorenes Obst. Gleichzeitig dunkle Früchte in Kombination mit angebrannten Streichhölzern oder Silversterböllern. Die fruchtige Komponente erinnert mich stark an Kombucha. Ich entdecke außerdem Minze, zarten Rauch, etwas Holz und Tabaknoten.

Geschmack: Zu Beginn eher herb und trocken auf der Zunge, doch die Süße kommt mit dem zweiten Schluck durch. Wieder sind es alte, fast vergorene Früchte, die ich schmecke und irgendwie wird das mit der Zeit und in Verbindung mit dem nun deutlicheren Streichholzrauch sogar recht schmackhaft, aber echt dreckig. Ich finde außerdem Salz, das mit den Früchten gut spielt. Dazu kommen Zitrusaromen, Honig und eine Ladung schwarzen Pfeffers. Erinnert hintenraus etwas an Talisker und prickelt ordentlich auf der Zunge je länger man ihn im Mund behält.

Abgang: Mittellang bis lang, ölig, salzig mit Zitronen, Eiche und weiter die Erinnerung an Kombucha.

Fazit: Ich weiß jetzt definitiv, wie Schwefel in einem Whisky schmeckt. Insgesamt eine interessante Erfahrung, die sich allerdings nicht unbedingt wiederholen muss oder vielleicht doch? Ich bin etwas hin und her gerissen, da ich dem Malt durchaus einige positive Seiten aufweist und ich mir gut vorstellen kann, dass wir etwas mehr Zeit brauchen, um miteinander warm zu werden. Andererseits sind die Schwefelnoten hier wirklich intensiv und teilweise einfach nur unangenehm – zumindest beim ersten verriechen. Sollte also jemand einmal auf diese Abfüllung stoßen, sei er gewarnt, das ist kein Malt für jedermann. Sehr speziell und eigenwillig, aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert.

Sláinte

Mr Barleycorn

4 Kommentare zu „Bruichladdich 13 Jahre Sherry Hogshead (The Islay Trail)

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