Glencadam 15

Glencadam ist bisher völlig an mir vorbei gegangen. Oder ich an Glencadam? Wie dem auch sei, ich hatte die Brennerei ziemlich lange nicht auf dem Radar. Irgendwo hörte ich dann von Glencadam als völlig zu unrecht im Schatten verstecktes Juwel. Als dann auch noch Ralfy den 15-Jährigen der Brennerei zu seinem Whisky des Jahres 2017 wählte, habe ich mir mal eine Flasche in praktischer Probiergröße zugelegt. Lange stand das Sample in meiner Samplekiste herum, um heute endlich verkostet zu werden.

Glencadam wurde 1825 von George Cooper in den östlichen Highlands gegründet und wechselte zigmal den Besitzer und wurde auch mehrfach geschlossen. Traditionell wurde bei Glencadam ausschließlich für die Blendindustrie produziert, was sich mit der Übernahme des heutigen Besitzers, Angus Dundee Distillers, änderte. Der 15-jährige Glencadam war der erste Single Malt der Brennerei, der 2005 auf den Markt kam. Seit dem wurde das Portfolio bei Glencadam auf heute 9 Standards zwischen NAS und 25 Jahren erweitert.

Der Glencadam 15 war wie gesagt der erste Single Malt der Brennerei und durfte in exBourbon Fässern aus amerikanischer Weißeiche reifen. Ich habe in letzter Zeit einige ausschließlich in exBourbon Fässern gereifte Malts verkosten können und muss sagen, dass ich eine ordentliche exBourbon Reifung durchaus einem Großteil der Finishes vorziehe. Vor allem im Sommer kommen die exBourbon gereiften Whiskys bei mir gut an. Der 15 Jahre alte Glencadam wurde nach seiner Reifung mit 46% Vol. abgefüllt, nicht kühlgefiltert und auch nicht gefärbt. Klingt auf jeden Fall gut und ist von den Daten her sicher auch etwas für die Puristen unter uns.

Nase: Frische, fruchtige, leicht maritime, an die nördlichen Highlands erinnernde Getreidenoten sind das, was mir als erstes in die Nase und durch den Kopf geht. Die Frische und Frucht gehen in Richtung Zitrusnoten, aber auch Apfel und Birne sind zu finden. Nach etwas Zeit treten auch Karamell- und ein paar holzig-würzige Noten hervor.

Glencadam

Geschmack: Auf der Zunge ist der Malt zu allererst sehr cremig und richtig süß. Dann stellt sich ein mit jeder Sekunde im Mund intensiver werdendes Prickeln auf der Zunge ein. Karamell kann ich auf der Zunge nun deutlicher erkennen. Auch die Getreidenote ist deutlich zu schmecken und harmoniert wunderbar mit der Zitrusnote des Glencadam. Auch Apfel und Birne sind wieder mit von der Partie, etwas herber als die Nase jedoch versprach.

Abgang: Der Abgang ist mittellang, weiterhin süß und malzig-getreidig. Zum Ende hin kommt eine leicht holzige Würzigkeit durch.

Fazit: Der Glencadam 15 läuft bei vielen Genießern sicher unter dem Radar. Wie ich finde, zu Unrecht! Wer einen ehrlichen Malt sucht, bei dem man sich auf das Wesentliche konzentriert hat, ist hier genau richtig. 15 Jahre im exBourbon Fass, keine zusätzliche Farbe und auch keine Kühlfilterung sind nicht mehr selbstverständlich. Vielleicht stelle ich mir jetzt nicht sofort eine Großflasche in die Bar, trotzdem ein absolut gelungener Highlander mit süß-fruchtig-maritimen Einschlag.

Sláinte

Mr Barleycorn

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