Whisky Weekend Leipzig 2018

Wie zuvor bereits hier auf mrbarleycorn.com angekündigt, fand am 23. & 24. Februar 2018 die dritte Leipziger Whisky-Messe statt. Ich war am Freitag vor Ort und habe mich unter die Besucher gemischt.

Kurz nach 18 Uhr kam ich entspannt mit den Öffentlichen zum Bayerischen Bahnhof. Ich habe mich schon eine ganze Weile auf die Whiskymesse quasi vor meiner Haustür gefreut und so erging es offensichtlich einer ganzen Reihe anderer Besucher auch. Die Schalterhalle des Bayerischen Bahnhofs war ordentlich gefüllt und die Stimmung unter den Gästen war hervorragend. Gut 20 Aussteller präsentierten sowohl unabhängige als auch originale Abfüllungen einer Großzahl an Destillerien. Ich habe mir ordentlich Zeit genommen und in den vier Stunden acht Whiskys probiert, die ich zum Teil schon vorher immer mal verkosten wollte oder auf persönliche Empfehlung der Aussteller ausgewählt habe.

IMG_20180223_182734Mein erster Anlaufpunkt war der Stand von The Stillman’swo mir direkt zwei Single-Cask Abfüllungen von Springbank ins Auge gefallen sind. Abgefüllt für den Schweizer Händler AWICO, stand da ein 15-Jähriger, der in einem Portwein Hogshead reifen durfte und ein 21-Jähriger aus dem Bourbon Hogshead. Die Wahl fiel auf den 15er und ich wurde nicht enttäuscht. Die Nase war schon wundervoll komplex und voller roter Früchte. Voluminös und cremig im Antritt, wurde der Malt auch im Mund immer fruchtiger. Der Hauch Rauch hat das Gesamtbild toll abgerundet. Leider gibt es so gut wie keine Flasche mehr von dieser Abfüllung auf dem Markt. Um so erfreulicher für mich, dass ich hier in Leipzig noch die Gelegenheit der Verkostung hatte.

Nach dem Port Cask war mir nach Sherry, also ging es an den Stand von Jens Fahr von der Altstadtkneipe Delitzsch, der mit einer großen Auswahl an Abfüllungen von C&S Dram und Anam na h-Alba angereist war. Jens hat mir einen tollen fassstarken Aultmore 2006/2017 mit Sherry Finish von Anam na h-Alba empfohlen, der schon fast likörartig fruchtig und süß war. Trotz des Besucherandrangs, fanden wir die Zeit, uns für ein Paar Minuten zu unterhalten, was mich wirklich gefreut hat, da ich Jens bisher nur digital kannte und das auch nur flüchtig. Für mich ging es weiter und ich habe mir mit dem Aultmore im Glas noch einmal einen Überblick verschafft.

IMG_20180223_205310Die Schalterhalle des Bayerischen Bahnhofs war in drei „Abteile“ geteilt, wobei ich den dritten hinteren „Abteil“ erst relativ spät entdeckte, was ich aber keineswegs negativ empfand. Außerdem gab es einen extra Bereich, der für die Tastings vorgesehen war. Wer zwischendurch eine kleine Stärkung brauchte, konnte sich an der Bar mit Snacks versorgen oder nebenan im Restaurant die Karte des Bayerischen Bahnhofs hoch und runter bestellen. Im Mittleren „Abteil“ wurde auch für musikalische Unterhaltung in Form einer Live Band gesorgt.

Auf meinem Rundgang kam ich nun zum Stand vom Leipziger Whisky Kontor. Dort kam ein junger Glen Elgin in mein Glas, der ausschließlich im Bourbon Hogshead gereift ist. Der Malt hatte auf jeden Fall noch ein Paar Ecken und Kanten. So passte die leicht mineralische Note aber recht gut zur Süße und den typischen Bourbon Aromen. Auch hier wurde wieder ein wenig gefachsimpelt und Geschichten ausgetauscht. Mike betreibt den Whisky Kontor nicht hauptberuflich, was einen ordentlichen Aufwand neben seiner eigentlichen Arbeit bedeuten muss. Dafür auf jeden Fall meinen Respekt. Bei ihm waren hauptsächlich Abfüllungen vom unabhängigen Abfüller Coopers Choice zu finden.

IMG_20180223_203856Für mich ging es weiter zu Team Spirit, wo ich mir mal einen Bruichladdich 22 gegönnt habe. Bisher kannte ich nur die jungen Abfüllungen der Brennerei und ich muss sagen, dass das Alter dem Malt ziemlich gut steht. Die für Bruichladdich typischen Malz- und Fruchtnoten zeigen sich nun tief und reif mit einer enormen Süße. Im letzten Jahr habe ich an diesem Stand meinen ersten Octomore probiert. In diesem Jahr habe ich die Finger von diesem Rauchmonster gelassen. Neben Bruichladdich gab es am Stand auch Zahlreiche Abfüllungen von Deanston, Bunnahabhain und Tobermory bzw. Ledaig, die alle ebenfalls zum Portfolio von Team Spirit gehören. Beim nächsten Großen, Diageo, vertreten durch Jörg Duschanek vom Alten Papierlager, fiel meine Wahl auf den einzigen NAS-Whisky für mich an diesem Abend. Der Talisker Neist Point polarisiert die Genießer und auch für mich war er ein untypischer Talisker, der weniger Schroff als seine Kollegen daher kam. Sehr süß, etwas  und nur dezent rauchig habe ich ihn in Erinnerung. Lecker, keiner Frage, aber für mich darf ein Talisker ruhig rau, schroff und würzig sein. Andererseits spielten bei diesem Malt Jugend und Alter gleichzeitig zusammen, was durchaus interessant war.

IMG_20180223_204147Interessant war auch der Stand von den beiden Leipziger Jungs, die Holzbirne ins Leben gerufen haben. Christian und Marcus bauen individuelle Lampen aus Flaschen, vor allem aus welchen, die vorher Whisky beinhalteten. Ich habe auch selbst schon die ein oder andere Lampe aus Whiskyflaschen gebaut. Daher war ich sehr interessiert, wie die beiden die Sache gelöst haben. Das oder besser gesagt die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen und sind sogar geprüft, sodass sie auch in Bars und Geschäften aufgestellt werden können. Derzeit kann man neben der Flasche auch die Holzart des Sockels und den Lampenschirm ganz individuell auswählen. Außerdem sind die Flaschen mit einem Liquid gefüllt, dass sie so aussehen lässt, als seien sie noch gefüllt. Super Idee und grandiose Umsetzung.

IMG_20180223_195515Schon im Vorbeigehen habe ich am Stand von Königsmann bzw. Signatory Shop neben den eigenen Abfüllungen, zahlreiche unabhängige entdeckt. Darunter befand sich ein 17-jähriger Caol Ila aus der Gordon & MacPhail Private Collection. Die letzten Abfüllungen aus der Private Collection waren meiner Meinung nach alle großartig und ich habe mich wirklich gefreut diese Flasche dort gefunden zu haben. Der Malt erhielt ein Finish in Madeira Fässern, kam 1995 ins Fass und wurde 2012 abgefüllt. Schon die Nase hat mich umgehauen. Fruchtig, rauchig, maritim, süß, würzig und hinter jeder Ecke konnte ich etwas neues entdecken. Beim Probieren dann die gleiche Komplexität im Mund plus dunkle Schoki. Für mich war das der Dram des Abends. Daran konnten auch die beiden ausgezeichneten Single Malts am Ende des Abends nichts mehr ändern. Zum einen gab es den Ardbeg Kelpie vom Ardbeg Day 2017 und einen unabhängig Abgefüllten The Maltman „Kildalton 9“, der als „A Really Delicious, Beautiful, Elevating, Gorgeous Whisky“ beschrieben wurde 😉

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass die kleine Whisky Messe stetig wächst und gedeiht. Im Vergleich zum letzen Jahr, war die Messe noch besser besucht. Mit über 850 Besuchern am Freitag und Samstag, ist im nächsten Jahr sicher auch ein dritter Tag der Messe denkbar. Obwohl die Messe gut besucht war, kam es zu keiner Zeit zu Wartezeiten, was ich als sehr angenehm empfand.  Auch Gespräche mit den Ausstellern kamen nicht zu kurz. Die Auswahl an Whiskys bzw. Ausstellern war auf jeden fall gut, ist aber sicher noch ausbaufähig. Für eines der Tastings hatte ich mich nicht entschieden, da ich lieber aus eigene Faust verkosten wollte, aber die Auswahl fand ich sehr gelungen. Auch wenn sich mein Bericht auf Scotch Whisky bezieht, kamen auch die Liebhaber von  American und Irish Whiskey, Rum und anderen Spezialitäten auf ihre kosten. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr und bin gespannt, wie sich das Leipziger Whisky Weekend weiterentwickelt.

Sláinte,

Mr Barleycorn

 

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