Old Pulteney 17

Nachdem ich im letzten Blogpost den Highland Park 17 „The Dark“ besprochen habe, entfernen wir uns heute nur unwesentlich von den Orkneys. Im äußersten Nordosten des schottischen Festlands liegt die kleine Hafenstadt Wick. Im 18. Jahrhundert befand sich hier einer der bedeutendsten Häfen der Heringsfischerei in ganz Europa. Sir William Pulteney, Präsident der Britischen Fischereigesellschaft und einer der reichsten Männer des Landes, gab den Bau der Stadt Pulteneytown zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Auftrag. Einer der Gründe dafür war, die durch die Highland Clearances vertriebene Landbevölkerung wieder in Lohn und Brot zu bringen. Das Projekt hatte Erfolg und zu Hochzeiten befanden sich bis zu 800 Schiffe im Hafen von Wick. Natürlich hatten die Fischer Durst und so wurde 1826 die Pulteney Distillery von James Handerson gegründet. Neben Glen Grant ist Old Pulteney der einzige Whisky, der nach einer Person, in diesem Fall Sir William Pulteney, benannt wurde. Wie viele andere, wurde auch die Pulteney Distillery diverse Male verkauft, geschlossen und wiedereröffnet. Seit 1997 gehört Pulteney zur Inverhouse Distillers Gruppe und ist damit Teil von International Beverages. Aufgrund seiner Nähe zum Meer und der Geschichte der Stadt Wick, wird der Old Pulteney auch „The maritime Malt“ genannt. Die Core Range der Destillerie wurde 2017 massiv reduziert und von den ehemals 3 Abfüllungen gibt es derzeit nur noch den 12-Jährigen im Handel. Der 17- und 21-Jährige Old Pulteney wurden vom Markt genommen und werden wohl zukünftig durch neue Abfüllungen (hoffenlich mit Altersangabe) ersetzt. Außerdem gibt es eine ganze Reihe an limitierten und für den Travel Retail bestimmten Abfüllungen. Ende 2017 wurde die Range um eine ständig verfügbare 25-jährige Abfüllung und einen limitierten Vintage 1983 erweitert. Wie ich schon im Beitrag zur 12-jährigen Standardabfüllung berichtet habe, hatte ich 2016 die Gelegenheit, die Destillerie zu besichtigen und kann jedem, der in der Nähe ist, einen Besuch nur wärmstens ans Herz legen. Doch nun zum heutigen Whisky, dem Old Pulteney 17.img_20180204_2232286006304148997700136.jpg

Wie schon gesagt, ist diese Abfüllung zwar noch verfügbar, aber wird nicht mehr produziert. Der 17-Jährige durfte sowohl in amerikanischen exBourbon- als auch in spanischen Oloroso und Pedro Ximénes exSherry Fässern reifen, die dann vermählt wurden. Das Verhältnis beträgt 90% exBourbon und 10% exSherry gereifter Spirit. Der Malt wurde mit 46% Vol. abgefüllt und ist nicht kühlgefiltert aber gefärbt.

Nase: Helle Früchte, Honig, Vanille, Karamell, Sahne Bonbons. Das sind die ersten Aromen, die ich freudig entdecken kann. Für mich verriecht sich der Malt zu Beginn wie ein Stück Kuchen. Nun kommt auch zarter Rauch hinzu, der gepaart ist mit einer schönen Malznote. Je länger ich rieche, mehr kann ich entdecken. Da sind reife Mangos, Äpfel, und feine Zitrusnoten. Der Alkohol ist gut eingebunden und gibt des Nase eine schöne maritime Frische.

Geschmack: Auf der Zungenspitze habe ich ein angenehmes Prickeln. Dann ist der Old Pulteney sehr voll und Ölig, ja fast Sirupartig. Das schlägt sich dann auch in der enormen Süße nieder. Ich finde wieder angenehme Vanille- und Karamellnoten. Auch die Früchte finden sich auf der Zunge wieder, vor allem die Mango und der reife Äpfel. Nun kann ich auch eine leichte Nussigkeit feststellen. Auch wenn ich weiß, dass kein Salz enthalten ist, habe ich doch das Gefühl, auf der Zungenspitze eine sehr passende Salzigkeit zu entdecken. Leider fehlt mir persönlich der Einfluss der europäischen Eiche etwas.

Abgang: Medium. Weiterhin süß mit weißer Schokolade, Birnenschale und ein paar wenige Gewürze.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem vielschichtigen, süßen Malt mit Altersangabe ist, sollte hier zugreifen. Wer dazu allerdings noch eine gewisse Würzigkeit der Fässer und einen langen Abgang erwartet, der sollte vielleicht doch woanders investieren. Für inzwischen 80€ befindet sich der Malt schon an der oberen Grenze für das, was man im Gegenzug bekommt. Mir gefällt sie süße in Kombination mit den Fruchtnoten und dem zarten rauch außerordentlich gut, daher bin ich froh, dass noch eine Flasche den Weg in meine Bar gefunden hat.

Sláinte,

Mr Barleycorn

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