Peat Fire No 11 mit Bernhard Schäfer (Whisky Tasting)

Am vergangenen Dienstag fand die elfte Edition Peat Fire in der Gourmétage Leipzig statt. Kein geringerer als Master of the Quaich Bernhard Schäfer führte an diesem Abend  durch die kleine aber feine Welt der stark getorften Islay Whiskies. Ein echtes Highlight – das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

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In entspannter Atmosphäre wurden in der Gourmetage in der Mädler Passage Leipzig sechs Islay Whiskies plus ein Aperitif-Whisky verkostet, die allesamt so ziemlich genau meinen Geschmack getroffen haben. Für mich als Liebhaber rauchiger Whiskies stand bereits als ich die Liste der Drams für den Abend laß fest, dass das nur ein super Abend werden konnte. Doch dazu gleich mehr. Obendrauf servierte das Team der Gourmétage ein wunderbares Buffet mit gratinierten Austern, Stew und einer Auswahl an weiteren Spezialitäten bester Qualität. Im Mittelpunkt stand jedoch Bernhard Schäfer. Gleich vorab: Ich habe noch nie ein so unterhaltsames und witziges Tasting erlebt. Meist wird das Thema Tasting und Nosing viel zu ernst genommen. Der Master of the Quaich aus Nürnberg allerdings, animiert dazu, genau das nicht zu tun. Denn Whisky soll vor allem eines: schmecken. So überließ er es auch den Besuchern, zu entscheiden, wann und wie sie die Malts verkosteten. Bernhard Schäfer bot mit wahnsinnig viel Fachwissen, Kuriositäten und einer ordentlichen Portion Humor den Rahmen für die Verkostung der sechs Islay Malts. Ich habe mir ein Paar Notizen gemacht und den Abend sonst vollends genossen.

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Den Anfang machte der neue Ardbeg An Oa, der seit Oktober zur Ultimate Range bei Ardbeg gehört. Damit ist er neben dem Ten, Uigeadail und Corryverckan der vierte Standard bei Ardbeg. Das Besondere der Abfüllung ist, dass der Malt nach der Reifung in Pedro Ximenez Fässern, frisch getoasteten Fässern aus französischer Eiche, ex-Bourbon Fässern und weiteren Weinfässern noch einmal für einige Monate Zeit bekommt, um sich zu vermählen. Damit kehrt Arbeg zum traditionellen Vatting zurück. Und, was soll ich sagen, der An Oa ist wirklich unerwartet rund. Bernhard Schäfer hat das Tasting mit einigen Infos über die Geschmacksnerven des Menschen eröffnet und eine Vielzahl davon wird durch den Ardbeg An Oa angesprochen. Da ist natürlich der Rauch, der aber fast dezent wirkt. Dieser wird begleitet durch eine cremige Süße, die ich gern mit Werters Echte vergleiche.  Gleichzeitig kommen eine leichte Säure und verhaltene maritime Noten durch. Die PX Fässer machen sich durch einen trockener werdenden Abgang bemerkbar. Eine Altersangabe trägt der Islay Single Malt nicht, laut Bernhard Schäfer kann man ihn aber bei ca. 8 Jahren einordnen. Der An Oa ist nicht zu komplex, aber trotzdem gibt er ein wunderbar rundes Gesamtbild ab.

Ein weiterer Single Malt aus dem Hause Ardbeg folgte: der Ardbeg Perpetuum. Dieser erschien zum zweihundertjährigen Jubiläum der Brennerei 2015. Ich hatte bereits das Vergnügen mit dem Perpetuum und war damals nicht ganz überzeugt, weil da nicht viel außer der Rauch und etwas Süße für mich zu schmecken war. Mittlerweile haben sich meine Geschmacksnerven aber anscheinend etwas geändert. Vielleicht lag es aber auch am direkten Vergleich mit dem An Oa. Jedenfalls fand ich den Ardbeg Perpetuum schlicht super lecker. Anders als beim An Oa steht der Rauch über allem. Erinnert mich an Lagerfeuer, aber auch geräucherten Schinken. Der Malt ist ziemlich trocken auf der Zunge, gleichzeitig aber auch süß. Irgendwie habe ich ihn mit Weihnachten assoziiert – da war Zimt, Vanille und etwas fruchtiges. Im vergleich zu den Whiskies die im zweiten Teil des Tastings folgen sollten, ist der Perpetuum jedoch mäßig komplex. Aber auch bei ihm ist das volle, runde Mundgefühl sehr angenehm.

Wie gesagt war das Tasting in zwei Teile mit jeweils drei Drams geteilt. Der letze Malt des ersten Teils war der Laphroaig Lore. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Laphroaig. Dabei kommt es immer auf meine Tagesform an, ob ich mit ihm zurecht komme oder eben nicht. An diesem Tag hatte ich Glück. Der Laphroaig Lore geht auf das Erbe der vergangenen Destillerie Manager, Brenner und Blender zurück. Jeder hat ein Stück zum Rezept hinzugefügt. Nette Story, aber was kann der Whisky? Einiges! Der Laphroaig hat mit seien 48% Vol. einen ordentlichen Antritt. Durch die Reifung in first-fill Bourbon Barrels, Quarter Casks und Oloroso Sherry Hogsheads ist auch beim Lore das Mundgefühl schön voll mit dunklen Früchte und herber Sahneschokolade. Auch wenn Bernhard Schäfer uns erklärte, dass es durch die Destillation und auch nicht durch die Lagerung in unmittelbarer Nähe zum Meer nicht möglich ist, dass Salz in den Whisky gelangt, habe ich genau das geschmeckt. Darüber kräftiger, trockener Rauch und die bekannte medizinische Note.

IMG_0945Nach der Pause mit einem großartigen Buffet ging es direkt weiter und zwar so richtig. Während im ersten Teil des Tastings drei NAS Whiskies verkostet wurden, widmeten wir uns nun den Malts mit Altersangabe. Den Anfang des Zweiten Teils machte der Octomore 10 Years Second Edition. 57,3 % Vol. und schlappe 167 ppm stecken in der Flasche. Der Single Malt aus dem Hause Bruichladdich kommt, trotz der vergleichsweise hohen Phenol- und Alkoholwerte,  erstaunlich mild rüber. Klar, der Rauch ist voll da. Aber da kommt ein Schwall von Süße hinterher, Halleluja. Der Octomore reifte in First Fill Bourbon und Grenache Blanc Fässern. Kein wunder also, dass er so süß ist. Ich habe trotzdem etwas Wasser dazu gegeben. Die knapp über 57% Vol. vertragen das durchaus. Dadurch haben sich dann die Aromen in der Nase und auch im Mund noch einmal schön geöffnet. Seine feine Fruchtigkeit und sein langer rauchiger Abgang haben mir gut gefallen.

Nummer fünf im Bunde war dann gleich mal ein Hammer: Ein Bunnahabhain mit 25 Jahren. Dieser Malt stellt eine Ausnahme in der Auswahl der vorgestellten Abfüllungen dar. Der Bunnahabhain war der einzige nicht rauchige Whisky, der verkostet wurde. Und trotzdem ist es dieser Malt, den ich am intensivsten in Erinnerung habe. Tiefe Sherrynoten, der außergewöhnliche Hausstil der Brennerei und der elegante Einfluss der Eichenfässer machen diesen Islay Malt zu etwas ganz Besonderen. Würzig war er im Mund und dazu etwas bissig, aber keineswegs unangenehm. Dazu süße Rosinen, die im langen Abgang immer trockener wurden. Ich musste schon zwei Schlucke nehmen, um die volle Geschmackspalette zu entdecken, denn da kam mit jeder Sekunde im Mund mehr durch (Salz, Kräuter, Leder, Kaffee). Obwohl nach dem Bunnahabhain XXV noch ein weiterer rauchiger Malt folgte, hatte ich am nächsten morgen trotz geputzter Zähne noch den Geschmack des nicht rauchigen Malts im Mund.

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Last but not least das Highlight des Abends: Caol Ila 30. Auf den habe ich mich schon im Vorfeld besonders gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. Die Abfüllung stammt aus 2014 und kam 1983 ins Fass. Da war ich selbst noch Quark im Schaufenster. Ich mag die rauchigen Standards von Caol Ila sehr gern und für 30 Jahre im Fass war dieser hier noch immer angenehm rauchig.  In der Nase verhielt sich der Caol Ila 30  anfangs eher zurückhaltend. Aber auch hier wurde Geduld belohnt und mit jedem Riechen und Schmecken entfalteten sich mehr Aromen. Zuerst schöner aromatischer Rauch. Auf der Zunge dann süß und würzig, die additive Reifung hat hier ganze Arbeit geleistet. Dazu füllt er den gesamten Mundraum aus. Es machten sich Noten von Honig breit, außerdem ein leichtes Prickeln auf der Zunge. Auch maritime Noten und leichte Säure waren zu schmecken und durch die lange Reifung schön in das Gesamtpaket eingebunden. Hammer!

Das war ein würdiger Abschluss für einen super Abend. Bernhard Schäfer hat mit seiner Moderation immer wieder für Lacher gesorgt und auch kritische Gedanken zu den einzelnen Abfüllung einfließen lassen. Natürlich kamen auch allgemeine Informationen zu Herstellung, dem Vertrieb und den vorgestellten Destillerien nicht zu kurz. In Verbindung mit dem ausgezeichneten Buffet und der entspannten Atmosphäre, war Peat Fire No 11 in der Gourmétage für mich und sicher auch alle anderen Gäste ein Abend, an den man noch lange zurück denkt – bis zum nächsten Mal. Die Veranstaltungstermine für 2018 in der Gourmétage werden demnächst auf der Website bekannt gegeben. Ich bin gespannt! Es lohnt sich übrigens immer, einmal in der Gourmétage, sei es in Dresden, Halle, Erfurt oder eben hier in Leipzig, vorbei zu schauen. Ich fühle mich immer ein Wenig wie ein Kind im Süßwarenladen, wenn ich mal vorbei schaue. An dieser Stelle noch vielen Dank an Stefan Korn und sein Team, die diesen Abend zu einem Highlight gemacht haben.

Sláinte,

Mr Barleycorn

Link:

Gourmetage

 

 

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