Octomore Masterclass Edition 8.3

Heute ist Halloween. Aus diesem Grund gibt es heute einen außergewöhnlichen Malt, der die, die keine getorften Whiskys mögen, vielleicht sogar etwas gruselt – der Octomore Masterclass Edition 8.3. Man könnte ihn auch einfach den derzeit am stärksten getorften Whisky nennen. 309 ppm Phenolgehalt hatte das Gerstenmalz als es eingemaischt wurde. Das ist mal ne Hausnummer.

IMG-20171030-WA0011Octomore ist auf Islay zu Hause. Genauer gesagt in der Brennerei Bruichladdich. Benannt ist dieser Whisky nach einer alten Brennerei nahe Port Charlotte, die von 1816 bis 1852 in Betrieb war. Seit 2008 produziert Bruichladdich unter dem Namen Octomore die am stärksten getorften Whiskys der Welt. Phenolgehalte von weit über 100 ppm sind bei den Octomore Abfüllungen völlig normal. Zum Vergleich: ein Ardbeg Ten hat einen Phenolgehalt von ca. 40 ppm. Trotz des hohen Phenolgehalts wirken manche der Abfüllungen weniger rauchig als besagter Ardbeg Ten beispielsweise. Es scheint mir ein Limit an Rauchigkeit zu geben, ab dem unsere Geschmacksnerven keinen Unterschied zwischen 150 und 250 ppm machen. Phenole sind vor allem Geschmacksträger und bringen im Fall von Octomore oft eine wunderbare Süße mit Kräuternoten mit sich. Wer kein Freund von rauchigem Whisky ist, der ist bei Octomore an der völlig falschen Adresse, da Hilft auch die Süße nichts.

Bruichladdich brachte unter dem neuen Head Distiller Adam Hannett in diesem Jahr die Octomore Masterclass auf den Weg, die inzwischen die achte Edition des Octomre darstellt. Vier Abfüllungen der Masterclass gibt es: 8.1 American Oak, 8.2 European Oak, 8.3 Islay Barley und 8.4 Virgin Oak. Alle, bis auf den 8.3, durften 8 Jahre reifen. Der Octomore Masterclass 8.1 American Oak reifte in Ex Bourbon Fässern von Buffalo Trace, Clermont Springs, Four Roses, Heaven Hill und Jack Daniels. Der Octomore Masterclass 8.2 reifte in second fill Mourvedre und Sauternes Fässern aus Frankreich und Süßweinfässern aus Österreich. Der Octomore 8.4 dagegen reifte zu 20% in frischen europäischen Eichenfässern und zu 80% in Amerikanischen Eichenfässern.

IMG_20171030_203557.jpgDer Octomore Masterclass 8.3 der vor mir steht ist, anders als seine Geschwister, 5 Jahre alt und reifte in 56% first fill Bourbon Fässern und die restlichen 44% in Französischen Rotweinfässern aus dem Burgund und der Rhône. Eine weitere Besonderheit ist, dass die verwendete Gerste zu 100% von der Isle of Islay stammt. Die Gerste wurde vom Farmer James Brown im Jahr 2010 geerntet. Ein schlechtes Jahr mit vielen Verlusten. Der Octomore Masterclass hat kräftige 61,2 % Vol. Alkoholgehalt und die besagten 309 ppm. (!!!) Phenolgehalt. Zudem kamen weder Kühlfilterung noch Zuckercouleur zum Einsatz. Und dann so eine Farbe nach nur 5 Jahren! Ich bin gespannt, rein ins Glas:

Nase: Wer hätte das gedacht: Fetter Rauch. Sehr voluminös, erinnert an einen Holzkohlegrill mit Buchenholzkohle, dazu ein wenig speckig. Gleichzeitig tolle Kräuter und kräftige Süße. In der offiziellen Beschreibung ist von Wildblumen die Rede. Für mich sind die Kräuter sehr deutlich in der Nase. Es kommen helle Früchte durch, wie Aprikosen. Nach dem ersten Schluck machen sich frische, knackige, helle Kirschen bemerkbar. Zudem etwas Vanille. Für 5 Jahre bemerkenswert komplex. Der Alkohol ist in der Nase deutlich zu spüren, aber nicht stechend oder gar beißend. Wasser bringt die Kirschen nach vorn und gibt dem Speck auch mehr Ausdruck

Geschmack: Ein wunderbarer Schlag ins Gesicht. Man spürt man den Alkoholgehalt von 61,2 % Vol. ordentlich. Der Rauch ist deutlich über allem, aber nicht unangenehm. Auch die Kräuter kommen wieder durch und ordentlich Süße, die beim zweiten Schluck sogar nochmals zunimmt. Die Aprikosen und Kirschen sind weiter hinten auch wieder zu finden. Außerdem tolle maritime Noten, leicht salzig. Man muss sich erst einmal an den hohen Alkohol- und Phenolgehalt gewöhnen. Etwas Wasser tut dem Octomore auch gut, er hat ja genügend Reserven. Mit Wasser kommt dann Heu durch und Malz. Die leichte Kirschnote erinnert dann entfernt an einen Obstler.

Abgang: Der Abgang enttäuscht mich etwas. Eher Mittellang, trotzdem schön süß und leicht bitter werdend. Der Rauch bleibt gefühlt ewig im Mund.

Fazit: Der Octomore 8.3 ist ein außergewöhnlicher Malt, der alle Geschmacksnerven fordert. Starker Rauch, der sich mit einer sehr süßen Kräuternote im Mund ausbreitet, bildet dabei das markanteste Merkmal. Hat man sich an den Rauch gewöhnt, kommen helle Fruchtnoten und knackige Kirschen durch. Aufgrund des extremen Phenolgehalts von 309 ppm, ist der Ocotomore 8.3, wie alle anderen Octomore auch, eher für Liebhaber stark getorfter Whiskys zu empfehlen. Ein Extremwhisky wie dieser hat naturlich auch seinen Preis. Derzeit kostet die Flasche um die 200€, was passend zum Alkohol- und Phenolgehalt, eine ordentliche Hausnummer ist. Für Liebhaber mit dem nötigen Kleingeld kann ich aber meine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, sich eine der nur 18.000 Flaschen zu sichern.

Slainte,

Mr Barleycorn

2 Kommentare zu „Octomore Masterclass Edition 8.3

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