Zu Besuch bei St. Kilian Distillers in Rüdenau

Am vergangenen Wochenende war ich zu Besuch in Heidelberg. Mein Freund Benny und ich haben die Gelegenheit genutzt, um die etwas mehr als eine Autostunde entfernte St. Kilian Destillerie in Rüdenau zu besuchen.

Der Tag ging zeitig los, denn die Tour bei St. Kilian Distillers war für 10 Uhr angesetzt und wir hatten erst einmal 80 km Fahrt vor uns. Vorbei an Neckar und Main ging es in den beschaulichen Ort Rüdenau. Umgeben von sanften Bergen, liegt der Ort in einem Seitental, das ein wenig an die schottischen Highlands erinnert. Doch anstatt in den Highlands sind wir im Odenwald. Lange suchen mussten wir nicht, denn die Destillerie steht gleich am Ortseingang in einer ehemaligen Textilienfabrik für Maßanzüge. Steht man vor der Destillerie fallen einem Direkt die zwei großen Silos auf, in denen sich die gemälzte Gerste befindet. Mit einem System aus Förderbändern, Schnecken und Aufzügen wird das Gerstenmalz in die Silos und von dort später ins Innere der Destillerie befördert.

IMG_20171021_114935_20171026201954287Vor genau diesen Silos trafen wir André, der uns herzlich in Empfang nahm. Bevor es in die Destillerie ging, erfuhren wir, dass der Standort Rüdenau nicht zufällig gewählt wurde. Es ist der Heimatort von Andreas Thümmler, dem Besitzer von St. Kilian. Außerdem bietet die Lage in einem kleinen Tal fernab von Großstädten und Verkehr optimale Bedingungen für die Fasslagerung. Und wer einmal nach Rüdenau kommt, kann eine gewisse Ähnlichkeit zu den schottischen Highlands nicht leugnen. Nachdem uns André die Funktionsweise der Silos erklärt hatte konnten wir endlich hinein in heiligen Hallen.

St. Kilian produziert nach schottischem Vorbild und nutzt dafür sowohl hölzerne Washbacks als auch traditionelle Potstills, was in Deutschland eine Ausnahme darstellt. Mash Tun, Washbacks und die beiden Potstills wurden von der schottischen Firma Forsyths hergestellt. Forsyths hat unter anderem die Produktionsanlagen für The Glenlivet, Glenfiddich oder Glen Grant hergestellt. Die gesamte Produktionsanlage musste an das Gebäude angepasst werden, was eine besondere Herausforderung darstellte. Betritt man das Gebäude, fallen einem direkt die kilometerlangen Rohr- und Kabelleitungen auf. Im eigentlichen Produktionsraum bildet die Computersteuerung einen Kontrast zu den traditionellen hölzernen Washbacks. André betont, dass trotz der Computerüberwachung in Handarbeit produziert wird. Es klingt zwar wie ein Oxymoron, aber hier trifft Tradition auf modernste Technik. Die Ausgangsbedingungen sind also schon einmal sehr gut. Nun ging es für uns Schritt für Schritt durch den Produktionsprozess. Nachdem das Gerstenmalz angeliefert wurde, wird es in der eigenen Schrotmühle geschrotet. St. Kilian verwendet Gerstenmalz aus Deutschland für ungetorften Whisky und schottisches Malz für die torfige Variante Whisky. Das geschrotete Gerstenmalz wird dann im Mash Tun in mehreren Stufen mit unterschiedlich temperiertem Wasser eingemaischt. Die verschiedenen Wassertemperaturen setzen jeweils andere Inhaltsstoffe des geschroteten Gerstenmalzes frei. Die so entstandene Würze wird dann für die Vergärung in die Washbacks geleitet. Der Treber, der im Mash Tun zurückbleibt, wird von einem lokalen Bauern als Viehfutter verwendet.

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washbackSt. Kilian verfügt über vier Washbacks mit je 10.800 Litern Fassungsvermögen, in denen die Würze für 62 Stunden gärt. Diese recht lange Gärzeit ist möglich, weil sich in den Washbacks Kühlplatten befinden. Durch die lange Gärung ist der New Make der Destillerie sehr fruchtig, doch dazu später mehr. Beim Blick in einen der Washbacks war ich überrascht, über die Bewegung darin, die ausschließlich durch die Vergärung entsteht. André erklärte uns auch, dass die Washbacks bewusst aus Holz gebaut wurden und nicht aus Edelstahlt. Hefe, als eine Art Pilz, benötigt optimale Bedingungen, um Zucker in Alkohol umzuwandeln. Holz schafft diese Bedingungen besser als Edelstahl und auch geschmacklich hat das Holz einen Einfluss. Das Holz, aus dem die Washbacks gebaut sind muss nach ca. acht Jahren ausgetauscht werden. Dies stellt eine erneute Investition dar. Der Effekt des Holzes muss also recht groß sein, um diese zusätzliche Investition zu rechtfertigen. Im Produktionsraum fallen einem neben Mash Tun und den vier Washbacks natürlich die zwei Pot Stills ins Auge. Wunderschön stehen sie da und stehen den Stills in schottischen Destillerien in nichts nach. Sie besitzen die typische sich nach oben verjüngende Birnenform mit Schwanenhälsen. Brennblasen in dieser Form und Größe habe ich bisher in Deutschland noch nicht gesehen. André bestätigt das: Hier stehen die größten Pot Stills in ganz Deutschland. IMG_20171021_103242.jpgWährend die Wash Still wie in den schottischen Destillerien einfach im Produktionsraum steht, ist die Spirit Still aufgrund der Zollbestimmungen in Deutschland komplett unter Verschluss. Und mit Verschluss meine ich auch Verschluss. Ein uraltes Schloss, das mit mehreren Schlüsseln geöffnet wird hängt an der Tür, die Schrauben des „Käfigs“ in dem die Spirit Still steht sind verplombt. selbst die Lüftungsgitter sind so klein, dass niemand auch nur auf die Idee kommt, Alkohol illegal abzuzweigen. Natürlich kann der verschlossene Bereich im Notfall geöffnet werden, wenn der Zoll informiert wurde. Obwohl eigentlich nicht notwendig, wurde bei St. Kilian auch ein traditioneller Spiritsafe installiert. Hier kann der Brennmeister Mario Rudolf Vor- und Nachlauf vom Mittelauf, dem Herz des Destillats, zu trennen. Auch das geschieht in Hand- oder besser gesagt Mundarbeit. Es ist wichtig den richtigen Moment für den Cut abzuwarten, da der Vorlauf noch giftige Stoffe wie Butanol, Aceton oder Methanol enthält. Die gekonnte Trennung des Nachlaufes ist auch wichtig, da dieser ungewollte Fuselöle enthält. Jeder Tropfen Alkohol, der zum Bestimmen von Vor-, Mittel- und Nachlauf entnommen wird, wird selbstverständlich auch versteuert. Eine Etage tiefer Steht die Abfüllanlage der Destillerie mit ihrem Zapfhahn, der stark an eine Zapfsäule einer Tankstelle erinnert. Von dort aus geht es über den Hof ins Fasslager 1. Und da ist er, der berühmte Angels Share oder Anteil der Engel. Es riecht einfach unglaublich lecker, fruchtig und süß. Die Regale sind randvoll mit Fässern, die darauf warten, Whisky hervor zu bringen.

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Auch das zweite Fasslager ist schon gut gefüllt und etwas fällt auf: es riecht ganz anders als Fasslager 1. Das mag daran liegen, dass die Fässer hier zu einem beachtlichen Teil ehemalige Sherryfässer sind. Bei St. Kilian ist man zudem auch experimentierfreudig. So wird derzeit mit 87 verschiedenen Fassarten experimentiert. Wer gern ein eigenes 30 Liter Fass Whisky hätte, kann sich diesen Traum   bei St. Kilian erfüllen. Alle Infos dazu gibt es hier. Wir haben auch kurz überlegt, den Plan dann aber vorerst auf Eis gelegt. Gleich neben Fasslager 2 war am Tag unseres Besuchs auch schon die Malerfirma im künftigen Fasslager 3 tätig. Außerdem soll hinter der Destillerie eine weitere Lagerhalle entstehen. Vom Fasslager geht es über den Innenhof zurück in den Produktionsraum. Dort warten schon die verschiedenen Dogs auf uns. Als White Dog wird eigentlich der Rohbrand bezeichnet. Bei St. Kilian Distillers haben sie den Dog Begriff jedoch um den Turf Dog und die vier Liköre Fire Dog, Cream Dog, Honey Dog und Berry Dog erweitet. Hinzu kommt noch die fassstarke Version des White Dog. Da St. Kilian seinen ersten Whisky erst 2019 abfüllen kann, nehmen wir bei der Verkostung natürlich auch mit den Dogs Vorlieb. André ließ uns freie Wahl bei der Verkostung und so kam für mich die Standardversion des White Dog, der Turf Dog und der Fire Dog sowie Honey Dog ins Glas. Mein Favorit war der Turf Dog, den ich jedem wärmstens ans Herz legen kann. Schön rauchig und zugleich weich und süß ist der Turf Dog jetzt schon, bevor er überhaupt im Fass war. Dazu kommt eine kräftige Malznote und eine schöne Fruchtigkeit. Ich bin wirklich gespannt auf die ersten Abfüllungen nach der Fassreifung.  Außerdem fand ich den Fire Dog ziemlich lecker. Der erinnerte mich und auch meinen Freund Benny an den Big Red Kaugummi der ebenso intensiv nach Zimt schmeckt.
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Im Anschluss an die Verkostung ging es dann noch schnell in den hauseigenen Shop, wo ich mir noch das ein oder andere Andenken mit auf den Weg nahm. An dieser Stelle noch einmal Danke an André für die wirklich interessante Führung. Ich freue mich schon auf 2019, wenn man den ersten Whisky von den St. Kilian Distillers probieren kann.

Slainte,

Mr Barleycorn

Mehr Infos und einen Online Shop für alle, die neugierig geworden sind, gibt es auf

www.stkiliandistillers.com.

Hier noch einige Impressionen vom Besuch.

 

 

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