Fettercairn 2006/2017 10 Jahre Madeira Finish

Ich habe mir vor einiger Zeit eine Flasche Fettercairn 2006/2017 mit Madeira Finish aus der Whic Sujet Reihe bestellt. Beim Öffnen des Paketes plumpste mir zuerst ein Sample entgegen. „Single Malt Whisky – Distilled at Fettercairn Distillery 2006/2016“ stand darauf. Wie ich wenig später erfuhr, war das Fass, welches für das Finish vorgesehen war, etwas zu klein. Daraufhin wurde der Überschüssige Whisky kurzerhand von Whic in Sample Flaschen gefüllt und wird nun der fertigen Abfüllung beigelegt. Ich finde die Idee an sich großartig. Wann, außer in den Destillerien direkt, hat man mal die Gelegenheit dasselbe Destillat mit und ohne Finish zu probieren. Daher gibt es heute ein Tasting mit direktem Vergleich des Destillates mit und ohne Finish im Madeira Weinfass.

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Die Destillerie Fettercairn liegt in den östlichen Highlands zwischen Dundee und Aberdeen. Fettercairn produziert seit 1824 und gehört seit 1973 zu Whyte & Mackay. Der Whisky der Destillerie wird oft als eher blumig, nussig und erdig beschrieben. Derzeit gibt es nur eine Originalabfüllung des Fettercairn mit dem Namen Fior (ohne Altersangabe). Auch von unabhängigen Abfüllern ist der Fettercairn nur selten erhältlich. Umso besser für mich, dass ich eine unabhängige Abfüllung vor mir stehen habe und diese auch noch in Fassstärke.

Der Fettercairn 2006/2017 10 Jahre Madeira Finish ist ein Single Cask Whisky. Er ist Teil der Serie „Sujet“ vom Online Shop whic.de aus München. Neben dem Fettercairn mit Madeira Finish zählen ein 21 Jahre alter Tobermory mit Sherry Octave Finish und ein 10 Jahre alter Macduff ebenfalls mit Madeira Finish zu dieser Serie. Auffällig sind die Labels der drei Abfüllungen, die jeweils von der Künstlerin Ruta Grigaite stammen.

Das Sample ohne Finish in Madeira Weinfass

Kommen wir als erstes zum Sample des Fettercairn ohne Finish im Madeira Weinfass. Der Whisky lagerte von 2006 bis 2016 in einem American White Oak Fass, was auf nussige, süße und leicht würzige Aromen schließen lässt. Wie schon gesagt, hat bei der Umlagerung vom American White Oak Fass in das Medeira Weinfass nicht der Gesamte Inhalt in das Madeira Fass gepasst. Daher wurde der restliche Whisky als Samples abgefüllt. Wir haben es hier mit kräftigen 54,8% Vol. zu tun, was der Fassstärke entspricht. Es handelt sich um ein Single Cask, dessen Inhalt zur Abfüllung weder gefärbt noch kühlfiltriert wurde. Klingt schon einmal vielversprechend.

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Das Sample des Fettercairn vor dem Finish in Madeira Weinfässern.

Nase: Anfangs sehr frisch in der Nase (durch den Alkohol), danach gleich eine sich entfaltende Süße, Haselnüsse, etwas Orange, Kokos und Weißwein.

Geschmack: Kraftvoll, mir persönlich etwas zu bissig, dann aber gleich wieder Süße, zarte Haselnüsse, etwas Gerste. Sehr fein und delikat, wenn sich die Zunge erst einmal an den hohen Alkoholgehalt gewöhnt hat. Beim zweiten Schluck dann zunehmend floral und mit schönen sanften Zitrusnoten und etwas Würze. Ich empfehle auf jeden Fall einige Tropfen Wasser.

Abgang: Mittellang, warm und voll. Etwas würzige Süße bleibt im Mund zurück.

 

Fertige Abfüllung mit Finish in Madeira Weinfass

Nachdem der Single Malt von 2006 bis Ende 2016 im American White Oak Fass lagerte, wurde er im Anschluss für weitere acht Monate im Madeira Weinfass nachgereift. Was direkt auffällt ist, dass dem fertigen Fettercairn in den acht Monaten Nachreifung 0,2% vol. Alkohol verloren gingen, sodass wir nun 54,6% Vol. in er Flasche haben. Die restlichen Basisdaten bleiben unverändert.

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Der Whic Sujet I mit Artwork von Ruta Grigaite

Nase: Der Alkohol ist wieder sehr frisch in der Nase, die Süße und Nussigkeit verbinden sich nun zu Nuss-Nougat. Sobald sich die  Nase an den Alkohol gewöhnt hat, kommen wieder Kokosnoten und nun helle Früchte durch. Die Zitrusnoten treten etwas mehr in den Hintergrund. Insgesamt runder und intensiver.

Geschmack: Wieder die volle Wucht im Antritt, nun aber nicht mehr so bissig. Schöne intensive Süße, die sich auch auf der Zunge mit der Nussigkeit verbindet. Das Nuss-Nougat Erlebnis ist im Geschmack leider etwas zurückhaltender. Trotzdem schöne Malzigkeit, später angenehme Orangennoten, die eine leichte Bitterkeit nach sich ziehen. Sehr lecker.

Abgang: Mittellang, schön Süß, mundwässernd, würziger werdend.

Fazit
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Der Fettercairn links nach dem Finish im Madeira Fass und rechts davor im direkten Vergleich.

Die Möglichkeit, den selben Whisky mit und ohne Finish zu testen, bietet sich mir zumindest nicht so oft. Klar, direkt in der Destillerie geht so etwas schon mal, aber auch dann ist es nicht unbedingt immer das selbe Destillat. Deswegen war diese Verkostung schon etwas Besonderes. Durch das achtmonatige Finish im Madeira Weinfass hat dieser Fettercairn nochmals an Süße und Fruchtigkeit gewonnen. Die süßen und nussigen Aromen verbinden sich sehr gut durch das Finish. Insgesamt wirkt er nun runder und nicht mehr ganz so bissig (zumindest unverdünnt). So ist der ist der Fettercairn nach dem Finish deutlich komplexer und bringt zusätzlich eine leichte Bitterkeit mit. Auch auf das Erscheinungsbild hatten die acht Monate im Madeira Weinfass einen deutlichen Einfluss. Die Farbe änderte sich von einem hellen Goldton hin zu einem Bernsteinton. Die Nachreifung hat den Whisky so noch einmal ein ganzes Stück nach vorn gebracht und sich definitiv gelohnt. Die Fassstärke ist mir persönlich etwas zu kräftig, aber dafür gibt es ja Wasser. Ich bin schon gespannt auf die folgenden Abfüllungen von whic.de und vielleicht ist ja in den kommenden Fässern wieder einmal nicht genügend Platz, sodass auch der Einfluss anderer Fässer im Direktvergleich erfahren werden kann.

Wer eine Flasche will, sollte sich beeilen, da es sich ja wie gesagt um eine Single Cask Abfüllung handelt, von der nur 420 Flaschen auf dem Markt sind. Erhältlich ist der Fettercairn 2006/2017 10 Jahre Madeira Finish ausschließlich hier zu einem mehr als angemessenem Preis von knapp 60 Euro.

Slainte,

Mr Barleycorn

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